Eine Produktionsabteilung meldet ein deutlich besseres Ergebnis. Sie hat weder günstiger produziert noch mehr an externe Kunden verkauft. Geändert wurde lediglich der Preis, den eine andere Abteilung intern für ihre Leistung verrechnet bekommt. Ist das Unternehmen dadurch erfolgreicher geworden? Diese Frage verlangt einen Blick über die einzelne Bereichsrechnung hinaus.
Verrechnungspreise im MBA sind ein konkretes Controlling-Thema für berufserfahrene Bilanzbuchhalter, Betriebswirte, Fachwirte, Techniker und Meister. Ein eigener fiktiver Auftrag zeigt, wie ein interner Preis Beiträge zwischen Bereichen verschiebt und trotzdem reale Entscheidungen beeinflussen kann. Wir betrachten ausschließlich interne Steuerung, keine steuerliche Verrechnungspreisdokumentation und keine Empfehlung für einen tatsächlichen Betrieb.
Der interne Preis hat zwei Seiten
Ein Verrechnungspreis ordnet einer Leistung zwischen Bereichen einen internen Wert zu. Für den abgebenden Bereich erscheint er als Erlös, für den empfangenden als Aufwand. Er ist in unserer Übung keine zusätzliche Zahlung eines externen Kunden.
Die ACCA-Lerneinheit zu Transfer Pricing verbindet die Preisgestaltung mit Bereichssteuerung und Zielkongruenz: Entscheidungen, die einem Bereich nützen, sollen auch dem Gesamtunternehmen nützen. Ein Preis kann deshalb mehr sein als eine Rechengröße, wenn Bereichsverantwortliche ihre Entscheidungen daran ausrichten.
Unser Modell: Eine zusätzliche Einheit, zwei Bereiche
Ein erfundenes Unternehmen besteht aus Produktion A und Weiterverarbeitung B. Beide sind interne Bereiche derselben Gesellschaft. A stellt eine Komponente her und gibt sie an B weiter. B verarbeitet sie zum fertigen Produkt und verkauft dieses für 60 Euro an einen externen Kunden.
Für genau diese zusätzliche Einheit entstehen bei A 20 Euro variable Kosten und bei B weitere 10 Euro. Die benötigte Kapazität ist frei. A hat für die betrachtete Komponente keinen alternativen externen Absatz. Fixkosten bleiben in allen Varianten unverändert; Lagerbestände, Steuern und zusätzliche Transportkosten betrachten wir nicht. Alle Eurobeträge sind erfunden.
Wir berechnen deshalb Beiträge nach den genannten variablen Kosten, nicht den vollständigen Jahresgewinn. Ein positiver Beitrag sagt noch nichts darüber, ob sämtliche Fixkosten des Unternehmens gedeckt sind. Diese Einschränkung gehört zu jeder Ergebniszahl der Übung.
Variante eins: 25 Euro intern verrechnen
Bei einem internen Preis von 25 Euro ergeben sich drei getrennte Rechnungen:
- Bereich A: 25 Euro interner Erlös minus 20 Euro variable Kosten = 5 Euro Beitrag.
- Bereich B: 60 Euro externer Erlös minus 25 Euro interner Bezug minus 10 Euro eigene variable Kosten = 25 Euro Beitrag.
- Gesamtunternehmen: 60 Euro externer Erlös minus 20 Euro Produktionskosten minus 10 Euro Weiterverarbeitungskosten = 30 Euro Beitrag.
Die Summe der beiden Bereichsbeiträge beträgt ebenfalls 5 + 25 = 30 Euro. Der interne Betrag kommt in A positiv und in B negativ vor. Auf Unternehmensebene entsteht dadurch kein zweiter externer Verkauf.
Variante zwei: 35 Euro – ohne jede Prozessänderung
Jetzt erhöhen wir ausschließlich den internen Preis auf 35 Euro. Es wird weiterhin genau eine Komponente hergestellt, intern weitergegeben und als fertiges Produkt für 60 Euro verkauft. Alle echten Kosten bleiben gleich.
- Bereich A: 35 − 20 = 15 Euro Beitrag.
- Bereich B: 60 − 35 − 10 = 15 Euro Beitrag.
- Gesamtunternehmen: weiterhin 60 − 20 − 10 = 30 Euro Beitrag.
A verbessert seinen ausgewiesenen Beitrag um zehn Euro; B verschlechtert sich um zehn Euro. In dieser Variante wurde kein zusätzlicher Unternehmensbeitrag geschaffen. Die Gegenprobe lautet: Welche Zahlung von außen oder welche tatsächlich verbrauchte Ressource hat sich verändert? Unter unseren Annahmen lautet die Antwort: keine.
Für eine MBA-Auswertung wäre daher „A produziert erfolgreicher“ unzulässig. Nachgewiesen ist nur die rechnerische Veränderung durch eine interne Preisregel. Produktion, Menge und Außenverkauf sind ausdrücklich unverändert geblieben.
Variante drei: Der Preis verändert die Bezugsentscheidung
Wir erweitern das Modell nun um eine zuvor nicht vorhandene Alternative. B darf eine fachlich gleichwertige Komponente für 28 Euro extern einkaufen. Wir nehmen gleiche Lieferzuverlässigkeit, keine Zusatzkosten und freie interne Kapazität an. Beim externen Bezug produziert A die zusätzliche Einheit nicht; die 20 Euro variablen Produktionskosten fallen dann nicht an.
Bei 35 Euro internem Preis sieht B zwei Möglichkeiten: interner Bezug ergibt 60 − 35 − 10 = 15 Euro Bereichsbeitrag; externer Einkauf ergibt 60 − 28 − 10 = 22 Euro. Wenn B nur diesen eigenen Beitrag maximiert und frei entscheiden darf, würde es in unserem vereinfachten Modell den externen Einkauf bevorzugen.
Für das Unternehmen stehen aber 30 Euro Beitrag bei interner Herstellung nur 22 Euro beim externen Bezug gegenüber. Die reale Beschaffungsänderung reduziert den Gesamtbeitrag um acht Euro. Diese Differenz entsteht nicht durch das bloße Umbuchen des internen Preises, sondern durch andere Kosten gegenüber einem externen Lieferanten.
Bei 25 Euro internem Preis erreicht B dagegen 25 Euro Beitrag mit internem Bezug und 22 Euro mit externem. Seine bevorzugte Entscheidung würde hier mit der Unternehmenssicht übereinstimmen. Das macht 25 Euro nicht zu einem allgemein richtigen Preis: Die Aussage gilt nur für die festgelegten Zahlen und Bedingungen.
Rechenidentität und Verhaltenswirkung getrennt berichten
Der Satz „Verrechnungspreise verändern den Unternehmensbeitrag nicht“ braucht in unserer Übung einen Zusatz: wenn tatsächliche Mengen, Bezugswege, externe Erlöse und relevante Kosten gleich bleiben. Ohne diesen Zusatz würden wir Variante drei übersehen.
Umgekehrt wäre „ein höherer Verrechnungspreis senkt immer den Unternehmensgewinn“ ebenso falsch. In Variante zwei bleibt der Gesamtbeitrag gleich. In Variante drei setzen wir eine bestimmte Entscheidungsregel voraus. Reale Führungskräfte könnten auch Unternehmensziele, Qualitätsanforderungen oder vorgegebene Bezugsregeln berücksichtigen. Unsere Rechnung sagt ihr tatsächliches Verhalten nicht voraus.
Ein sauberer Lernbericht nennt deshalb zuerst die unveränderte Prozessvariante und anschließend die gesonderte Entscheidungsvariante. Er verwechselt weder A mit dem Unternehmen noch einen höheren internen Erlös mit zusätzlichem Geld von Kunden.
Welche Annahmen Du als Nächstes prüfen würdest
Für eine vertiefende fiktive Analyse könntest Du jeweils eine Annahme ändern: Hat A einen anderweitig nutzbaren Engpass? Kann es die Komponente extern verkaufen? Sind 28 Euro wirklich der vollständige relevante Fremdbezugspreis? Die Rechnung müsste dann neu aufgebaut werden. Eine freie Kapazität darf nicht stillschweigend unterstellt werden, wenn ein anderer Auftrag verdrängt würde.
Bewahre dabei die Trennung zwischen Beschreibung und Empfehlung. Eine konkrete betriebliche Preisregel benötigt Kostenkenntnis, Verantwortlichkeiten und einen passenden Steuerungsauftrag. Internationale Transaktionen zwischen rechtlich getrennten Unternehmen werfen zudem andere, hier ausdrücklich nicht behandelte Fragen auf. Diese Übung ersetzt weder Steuerberatung noch eine reale Beschaffungsfreigabe.
Vom Bilanzblick zur MBA-Managementfrage
Die Lernleistung besteht darin, Bereichsrechnung, Unternehmenssicht und Entscheidungsregel zusammenzuhalten. Gerade beruflich Qualifizierte können an vorhandene Kosten- oder Prozesskenntnisse anknüpfen. Das öffentliche Angebot MBA Entrepreneurship und Global Business Strategy umfasst Kosten- und Leistungsrechnung sowie Controlling. Diese Übung ist kein zugesicherter Prüfungsinhalt.
Die aktuelle Hochschulseite nennt drei alternative Zugangsprofile: Bachelor mit 180 ECTS oder gleichwertiger beziehungsweise höherer Abschluss plus zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung; Universitätsreife plus vier Jahre Berufserfahrung, davon mindestens zwei facheinschlägig; oder abgeschlossene Berufsausbildung plus fünf Jahre Berufserfahrung, davon mindestens zwei facheinschlägig. Über die Aufnahme entscheidet die Lehrgangsleitung nach Prüfung der vollständigen Unterlagen.
Zulassung, Anrechnung und tatsächliche Dauer bleiben getrennt. Das Programm hat 120 ECTS und vier Semester Regelstudiendauer; bis zu 60 ECTS können laut Hochschule nach individueller Prüfung angerechnet werden. Daraus folgt keine persönliche Aufnahme- oder Verkürzungsgarantie.
Ein direkter MBA-Einstieg kann bei passender Zugangsgrundlage und Managementziel Zeit sparen oder Doppelungen vermeiden. Ein Bachelor zuerst kann bei fehlender Grundlage, gewünschter fachlicher Breite, bestimmten Berufswegen oder anderen Lernzielen geeigneter sein.
FAQ zu Verrechnungspreisen im MBA
Sind unsere 30 Euro der vollständige Gewinn?
Nein. Es ist der Beitrag nach den ausdrücklich betrachteten variablen Kosten einer zusätzlichen Einheit. Fixkosten und weitere Positionen fehlen.
Ist ein höherer Bereichsbeitrag immer eine bessere Leistung?
Nein. Bei A entsteht der Anstieg in Variante zwei allein durch den höheren internen Preis. Es wurde nicht effizienter produziert.
Warum kann der Preis trotzdem wichtig sein?
Weil er bei Entscheidungsfreiheit die Sicht eines Bereichs auf interne und externe Alternativen verändern kann. Die Verhaltensannahme muss dabei ausdrücklich genannt werden.
Fazit: Erst das Unternehmen, dann die Verteilung betrachten
Rechne die drei Varianten selbst nach. Markiere interne Beträge und externe Erlöse unterschiedlich und prüfe anschließend, wo sich echte Kosten ändern. So wird sichtbar, warum Bereichsergebnis und Unternehmensbeitrag nicht dasselbe sind. Deinen persönlichen Studienweg kannst Du über den Kontakt zu GrandEdu Media besprechen; verbindliche Zulassungs- und Anrechnungsentscheidungen trifft die Hochschule.