Wer im Beruf Teams führt, Kundengespräche begleitet oder Abläufe verbessert, stellt täglich Fragen. Für ein wissenschaftliches Interview im MBA genügt diese Gesprächsroutine jedoch nicht: Eine Frage kann unbemerkt die gewünschte Antwort vorgeben. Ein guter MBA-Interviewleitfaden hilft, Erfahrungen zu erschließen, ohne das eigene Urteil zum Maßstab zu machen.
Gerade Fachwirte, Betriebswirte, Bilanzbuchhalter, Techniker und Meister bringen wertvolle Praxiserfahrung mit. Die folgende Übung zeigt, wie daraus offene Forschungsfragen werden können. Sie ist eine Vorbereitung auf wissenschaftliches Arbeiten, keine vorgeschriebene Prüfungsleistung und keine Zusage zur Zulassung.
Vom beruflichen Gespräch zum Forschungsinterview
Im Arbeitsalltag wollen Sie häufig eine Entscheidung treffen: Was muss geändert werden? Wer übernimmt die Aufgabe? Ein Forschungsinterview verfolgt zunächst ein anderes Ziel: Sie wollen verstehen, wie Menschen eine Situation wahrnehmen und beschreiben. Deshalb sollten Sie nicht schon während des Gesprächs eine Lösung verkaufen.
Das Methodenportal der Universität Leipzig zum leitfadengestützten Interview beschreibt einen vorbereiteten thematischen Rahmen mit Spielraum für Antworten und Nachfragen. Der Leitfaden ist damit eine Orientierung, kein starr abzulesender Fragebogen. Wesentliche Themen sollen vorkommen; die konkrete Gesprächsführung darf auf die Antworten eingehen.
Praxiswissen bleibt nützlich: Es hilft, Begriffe und Zusammenhänge zu erkennen. Gleichzeitig kann es dazu verleiten, vermeintlich offensichtliche Antworten vorauszusetzen. Schreiben Sie deshalb vorab auf, was Sie bereits vermuten, und behandeln Sie diese Vermutungen im Interview nicht als feststehende Tatsachen.
Eine Forschungsfrage begrenzt den Leitfaden
Nehmen wir einen ausdrücklich fiktiven Fall: In einem Betrieb wird ein digitales Übergabeprotokoll eingeführt. Die Forschungsfrage könnte lauten: „Wie erleben Beschäftigte die Übergabe von Aufgaben seit der Einführung des digitalen Protokolls?“ Das ist etwas anderes als die Frage, ob das neue System erfolgreich ist.
Für den Leitfaden ergeben sich daraus drei Themen: bisheriger Ablauf, konkrete Erfahrungen mit dem neuen Verfahren und wahrgenommene Veränderungen. Fragen zur gesamten Unternehmenskultur oder zur allgemeinen Zufriedenheit wären für diese kleine Übung zu weit. Prüfen Sie bei jedem Themenblock: Welche Information kann er zur Forschungsfrage beitragen?
Die GESIS Survey Guidelines zu offenen Fragen erläutern, dass offene Fragen keine Antwortkategorien vorgeben und Antworten in eigenen Worten ermöglichen. Die Quelle behandelt Befragungen; sie liefert eine hilfreiche Orientierung für die Formulierung, ersetzt aber nicht die Planung eines qualitativen Forschungsprojekts.
Suggestive Fragen in offene Fragen übersetzen
Die folgenden Formulierungen sind eigene Beispiele für den fiktiven Betrieb. Entscheidend ist nicht, eine Frage nur freundlicher klingen zu lassen, sondern die vorweggenommene Bewertung zu entfernen.
| Lenkende Frage | Offenere Alternative | Unterschied |
|---|---|---|
| „Das neue Protokoll spart doch Zeit, oder?“ | „Wie läuft eine typische Übergabe mit dem neuen Protokoll ab?“ | Keine Zeitersparnis wird vorausgesetzt. |
| „Warum lehnen manche das System ab?“ | „Welche unterschiedlichen Erfahrungen mit dem System haben Sie beobachtet?“ | Ablehnung wird nicht als gegeben behandelt. |
| „Ist es einfacher und zuverlässiger geworden?“ | „Was hat sich für Sie bei der Übergabe verändert?“ | Zwei Bewertungen werden nicht vermischt. |
Auch eine offene Formulierung garantiert keine unbeeinflusste Antwort. Rolle, Tonfall, Gesprächssituation und Vorwissen können weiterhin wirken. Der Leitfaden reduziert vermeidbare Lenkung; er macht ein Interview nicht automatisch objektiv.
Den Gesprächsbogen in vier Abschnitten aufbauen
1. Mit einer konkreten Situation beginnen
Ein Einstieg wie „Erzählen Sie bitte von einer typischen Aufgabenübergabe in Ihrem Bereich“ erleichtert eine zusammenhängende Beschreibung. Abstrakte Bewertungen können später folgen. Fragen Sie zunächst nach dem Ablauf, statt sofort nach Problemen zu suchen.
2. Wenige Kernfragen den Themen zuordnen
Für die Übung reicht ein übersichtlicher Entwurf: Wie wurden Aufgaben früher übergeben? Wie wird das digitale Protokoll heute genutzt? Welche Veränderungen nimmt die Person wahr? Jede Kernfrage sollte einen nachvollziehbaren Bezug zur Forschungsfrage haben.
3. Neutral nach konkreten Beispielen fragen
„Können Sie eine Situation beschreiben?“ oder „Was meinen Sie hier mit unübersichtlich?“ greift Gesagtes auf, ohne eine Erklärung einzusetzen. Vermeiden Sie vorschnelle Zusammenfassungen wie „Dann war also die Schulung schlecht“. Nachfragen sollten das Verständnis erweitern, nicht die eigene Diagnose bestätigen.
4. Raum für bisher fehlende Aspekte lassen
Zum Abschluss eignet sich „Was ist Ihnen zu diesem Thema noch wichtig, das wir nicht angesprochen haben?“ So bleibt Platz für Erfahrungen außerhalb Ihrer vorbereiteten Kategorien. Notieren Sie anschließend, welche Frage welche Art von Antwort ausgelöst hat.
Ein Probelauf ohne echte Betriebsdaten
Testen Sie den Entwurf zuerst mit einer freiwilligen Übungspartnerin oder einem Übungspartner anhand erfundener Situationen. Beobachten Sie, welche Begriffe erklärt werden müssen, wo zwei Fragen in einer stecken und wo Sie selbst zu viel sprechen. Eine Pause ist nicht automatisch ein Anlass, eine Antwort vorzuschlagen.
Überarbeiten Sie danach gezielt einzelne Fragen. Ein solcher Probelauf prüft Verständlichkeit und Gesprächsfluss, nicht die Gültigkeit einer wissenschaftlichen Untersuchung. Auswahl der Gesprächspartner, Dokumentation und Auswertung müssen separat geplant werden. Wenige Interviews erlauben auch nicht automatisch repräsentative Aussagen über alle Beschäftigten.
Vor echten Interviews sind unter anderem Datenschutz, freiwillige Teilnahme, mögliche Aufzeichnungen und betriebliche Freigaben mit den zuständigen Stellen zu klären. Orientierung bieten die Hinweise des Leipziger Methodenportals zu ethischen und rechtlichen Fragen. Für die Vorbereitungsübung benötigen Sie keine vertraulichen Unternehmensinformationen.
Wie die Übung zum konkreten MBA-Angebot passt
Der MBA Entrepreneurship und Global Business Strategy bei GrandEdu Media umfasst wissenschaftliches Arbeiten sowie qualitative und quantitative Forschungsmethoden. Diese Inhalte sind im offiziellen Programmflyer der Hochschule Burgenland ausgewiesen. Ein eigener Interviewentwurf kann den Einstieg in diese Denkweise unterstützen; ob Interviews für eine konkrete Arbeit passen, ist mit der betreuenden Hochschule zu klären.
Die aktuelle Hochschulseite zum Programm nennt drei Zugangswege: einen Bachelorabschluss mit mindestens 180 ECTS oder einen gleichwertigen beziehungsweise höheren Abschluss plus zwei Jahre facheinschlägige Berufserfahrung; Universitätsreife plus vier Jahre Berufserfahrung, davon mindestens zwei facheinschlägig; oder eine abgeschlossene Berufsausbildung plus fünf Jahre Berufserfahrung, davon mindestens zwei facheinschlägig. Die Lehrgangsleitung prüft die Bewerbung individuell.
Zulassung, Anrechnung und Studiendauer sind getrennte Fragen. Das Programm ist mit 120 ECTS und vier Semestern ausgewiesen; eine mögliche Anrechnung von bis zu 60 ECTS wird individuell geprüft. Daraus folgt keine automatische Verkürzung. Ein direkter MBA-Einstieg kann bei passender Zulassungsgrundlage Zeit und inhaltliche Doppelungen sparen. Ein Bachelor zuerst kann bei fehlender Grundlage, gewünschter fachlicher Breite oder bestimmten Berufs- und Lernzielen sinnvoller sein.
FAQ zum MBA-Interviewleitfaden
Muss ich vor dem MBA schon Interviews durchführen können?
Diese Übung ist keine zusätzliche Zulassungsvoraussetzung. Sie soll helfen, berufliche Erfahrungen in wissenschaftliche Fragen zu übersetzen. Maßgeblich sind die Anforderungen des konkreten Programms.
Wie viele Fragen gehören in einen Leitfaden?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es für diese Übung nicht. Wichtiger sind Forschungsbezug, verständliche Formulierungen und ausreichend Raum für Nachfragen. Für eine echte Studienarbeit gelten die abgestimmten methodischen Anforderungen.
Darf ich eigene Erfahrungen als Antwort vorgeben?
Eigene Erfahrungen helfen bei der Vorbereitung. Im Gespräch sollten sie nicht zur erwarteten Antwort werden. Fragen Sie nach der Perspektive der anderen Person und lassen Sie auch widersprechende Erfahrungen stehen.
Fazit: Mit besseren Fragen akademisch anschließen
Ein MBA-Interviewleitfaden verbindet Praxisnähe mit methodischer Zurückhaltung: eine begrenzte Forschungsfrage, offene Kernfragen, neutrale Nachfragen und ein überprüfter Gesprächsbogen. Beginnen Sie mit dem fiktiven Beispiel und überarbeiten Sie Ihren Entwurf nach einem Probelauf. Wenn Sie zugleich Ihren Studienweg klären möchten, nutzen Sie die Beratung von GrandEdu Media und lassen Sie Ihre persönlichen Voraussetzungen sowie mögliche Anrechnungen gesondert prüfen.
Quellen und Zugangsinformationen geprüft am 5. Oktober 2026. Die Beispiele sind fiktiv; die Hinweise ersetzen keine individuelle Zulassungsentscheidung oder methodische Betreuung.