Die Zahl abgeschlossener Vorgänge steigt, die Rückfragen von Kunden nehmen trotzdem zu. Hat das Team seine Leistung verbessert? Für eine Managementanalyse reicht die erste Zahl nicht aus. Es kommt darauf an, ob „abgeschlossen“ noch das abbildet, was das Unternehmen eigentlich erreichen möchte.
Goodharts Gesetz im MBA lenkt den Blick auf diesen Unterschied zwischen Ziel und Messgröße. Gerade Bilanzbuchhalter und Betriebswirte kennen Berichte, Statuslisten und Leistungsziele aus dem Berufsalltag. Der folgende, vollständig erfundene Servicefall hilft Dir, daraus eine akademisch begründete Frage zu entwickeln: Was verändert sich, wenn eine Kennzahl selbst zum Maßstab der Belohnung wird? Die Übung ist keine offizielle Hochschulaufgabe.
Eine Warnung vor der Verwechslung von Ziel und Stellvertreter
In der Forschungsarbeit „Categorizing Variants of Goodhart’s Law“ von David Manheim und Scott Garrabrant wird das Problem als Auseinanderlaufen eines beabsichtigten Ziels und einer dafür genutzten Stellvertretergröße beschrieben, wenn auf diese Größe optimiert wird. Die Autoren unterscheiden mehrere Mechanismen; nicht jeder Fall beruht auf bewusster Manipulation. Die Arbeit ist als Preprint auf arXiv veröffentlicht und keine universelle Erfolgsvorhersage für einzelne Betriebe.
Für unsere Lernübung reicht eine klare Abgrenzung: Das Ziel ist, Kundenprobleme verlässlich zu lösen. Der Stellvertreter ist die Anzahl der als abgeschlossen markierten Anfragen. Diese Zahl kann Informationen liefern. Sie ist aber nicht automatisch mit dem tatsächlichen Ergebnis für den Kunden identisch.
Der Lernfall: Zwei Gruppen, zwei unterschiedliche Erfolgsbilder
Ein fiktiver Dienstleistungsbetrieb vergleicht zwei Gruppen von jeweils 100 neu eingegangenen Kundenanfragen. Für jede Gruppe wird nach derselben Beobachtungszeit von 14 Tagen geprüft, welche Anfragen einen Abschlussstatus erhalten haben und welche Probleme nach einer gesonderten inhaltlichen Prüfung tatsächlich gelöst sind. Jede Anfrage wird pro Gruppe nur einmal gezählt.
Alle folgenden Zahlen sind frei erfunden. Die inhaltlich bestätigten Lösungen sind im Beispiel jeweils eine Teilmenge der als abgeschlossen markierten Anfragen. Wir vergleichen weder reale Beschäftigte noch unterschiedliche Bearbeitungszeiten oder einen echten Unternehmensbericht.
- Gruppe A: 80 von 100 Anfragen sind als abgeschlossen markiert. Bei 70 ist die Lösung inhaltlich bestätigt.
- Gruppe B: 95 von 100 Anfragen sind als abgeschlossen markiert. Bei 60 ist die Lösung inhaltlich bestätigt.
Die Abschlussquote steigt im Modell von 80 auf 95 Prozent: ein Plus von 15 Prozentpunkten. Der Anteil bestätigter Lösungen sinkt zugleich von 70 auf 60 Prozent, also um 10 Prozentpunkte. Der Bericht „mehr Abschlüsse“ und die Aussage „weniger bestätigte Lösungen“ können hier gleichzeitig richtig sein.
Welche Zahl beantwortet welche Frage?
Die Abschlussquote beschreibt den erfassten Status. Der zweite Anteil beschreibt das Ergebnis unserer gesonderten Prüfung. In Gruppe A bleiben 10 als abgeschlossen markierte Anfragen ohne bestätigte Lösung, in Gruppe B sind es 35. Diese Differenz wird unsichtbar, wenn der Bericht nur die Abschlussquote zeigt.
Das Beispiel bedeutet nicht, dass jeder Statusabschluss wertlos wäre. Es zeigt lediglich, dass zwei verschiedene Eigenschaften gezählt werden. Auch die unabhängige Prüfung müsste in einem realen Betrieb definiert und nachvollziehbar durchgeführt werden. „Gelöst“ darf nicht bloß ein zweites, ungeprüftes Etikett sein.
Was eine Zielvorgabe am Verhalten verändern könnte
Nehmen wir für den Lernfall an, dass die Leitung eine Anerkennung ausschließlich an die Zahl abgeschlossener Anfragen knüpft. Dann lohnt sich aus Sicht dieser Vorgabe zunächst jeder Statuswechsel zu „abgeschlossen“. Ob das Kundenproblem dauerhaft erledigt wurde, geht nicht unmittelbar in die Belohnungsregel ein.
Eine mögliche Reaktion wäre, schwierige Fälle früher zu schließen, obwohl noch eine Rückfrage offen ist. Eine andere wäre, zunächst leichte Anfragen abzuarbeiten und aufwendige Fälle zurückzustellen. Beide Verhaltensweisen können den sichtbaren Bericht beeinflussen. Sie sind hier Hypothesen für die Fallbearbeitung, keine Tatsachen über ein reales Team.
Die Zahlen allein beweisen den Anreizeffekt noch nicht. Vielleicht waren die Anfragen der zweiten Gruppe schwieriger. Vielleicht wurde „abgeschlossen“ anders definiert oder die Lösungsprüfung ungleich durchgeführt. Eine belastbare MBA-Analyse benennt diese Alternativen, bevor sie Personen oder eine Zielvorgabe verantwortlich macht.
Aus dem Verdacht wird eine prüfbare Managementfrage
Formuliere zuerst die Vermutung, die Du überprüfen möchtest: „Nach Einführung der Abschlussvorgabe wird der Status häufiger gesetzt, bevor das Kundenproblem geklärt ist.“ Danach benötigst Du Informationen, die genau diese Vermutung stützen oder widerlegen können.
Für unseren Fall wären die Abschlussdefinition, das Datum der Zieländerung, die Fallarten und der Inhalt späterer Rückmeldungen relevant. Untersuche außerdem, ob die Vergleichsgruppen nach derselben Regel gebildet wurden. Wenn eine Gruppe nur einfache Anfragen enthält, wäre ein unmittelbarer Leistungsvergleich mit schwierigen Fällen irreführend.
In Deiner schriftlichen Bearbeitung trennst Du drei Ebenen: die beobachteten Zahlen, die angenommene Erklärung und den vorgeschlagenen Prüfauftrag. „95 Abschlüsse“ ist eine Beobachtung im Modell. „Früheres Schließen wegen der Belohnung“ ist eine mögliche Erklärung. „Abschlusszeitpunkte mit offenen Rückfragen vergleichen“ ist ein eigener Untersuchungsvorschlag.
Eine Gegenmaßnahme muss mehr leisten als eine neue Zahl
Die naheliegende Antwort wäre, zusätzlich bestätigte Lösungen zu zählen. Für unsere Übung ist das hilfreich, weil es das Ziel näher beschreibt. Dennoch solltest Du prüfen, wer bestätigt, welche Belege ausreichen und ob die Bestätigung selbst unter denselben Leistungsdruck gerät.
Ein konkreter Vorschlag für den fiktiven Betrieb wäre: Abschlussstatus und Lösungsbestätigung werden getrennt dokumentiert; offene Rückfragen bleiben sichtbar; ausgewählte Fälle werden inhaltlich nachgeprüft. Die Empfehlung soll den Unterschied zwischen Status und Wirkung erhalten. Sie ist kein vollständiges Kontrollsystem und garantiert weder höhere Qualität noch geringere Kosten.
Schreibe auch eine Grenze Deiner Empfehlung auf. Eine umfangreiche Prüfung jeder einzelnen Anfrage kann Ressourcen binden. Ein sehr einfacher Prüfmaßstab kann wichtige Unterschiede übersehen. Für die Fallanalyse geht es darum, diese Abwägung nachvollziehbar zu machen – nicht darum, möglichst viele Kennzahlen aufzuzählen.
MBA-Vorbereitung und formaler Zugang bleiben getrennt
Wer operative Berichte kennt, bringt Anschauungsmaterial für solche Fragen mit. Das ersetzt allerdings keine Zulassungsgrundlage. Für den öffentlich angebotenen MBA Entrepreneurship und Global Business Strategy bei GrandEdu Media nennt die aktuelle offizielle Hochschulseite drei alternative Profile:
- Bachelor mit 180 ECTS, Äquivalent oder höherer Abschluss plus zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung;
- Universitätsreife plus vier Jahre Berufserfahrung, davon mindestens zwei Jahre facheinschlägig;
- abgeschlossene Berufsausbildung plus fünf Jahre Berufserfahrung, davon mindestens zwei Jahre facheinschlägig.
Über die Aufnahme entscheidet die Lehrgangsleitung nach Prüfung vollständiger Unterlagen. Ein Bilanzbuchhalter- oder Betriebswirtabschluss ist allein keine pauschale Zulassungszusage. Mögliche Anrechnung und tatsächliche Studiendauer sind gesonderte Fragen. Veröffentlicht sind vier Semester Regelstudiendauer und bis zu 60 anrechenbare ECTS; Umfang und Konsequenzen werden individuell geprüft.
Bei erfüllter Zulassungsbasis kann der direkte MBA-Einstieg zum Managementziel passen, Zeit sparen und Doppelungen vermeiden. Ein Bachelor zuerst kann bei fehlender Zugangsbasis, gewünschter fachlicher Breite, bestimmten Berufswegen oder persönlichen Lernzielen geeigneter sein. Keine Route ist allgemein besser.
FAQ zu Goodharts Gesetz im MBA
Sollte man auf Kennzahlen verzichten?
Nein. Im Lernfall sind beide Zahlen informativ. Problematisch wäre, eine Statuszahl ohne Prüfung als vollständigen Beleg für gelöste Kundenprobleme zu verwenden.
Beweist eine verbesserte Abschlussquote Manipulation?
Nein. Fallzusammensetzung, Definitionen und Prüfverfahren können ebenfalls eine Rolle spielen. Untersuche den konkreten Mechanismus statt vorschnell Absichten zu unterstellen.
Reicht eine zusätzliche Qualitätskennzahl?
Sie kann den Blick ergänzen. Ob sie sinnvoll ist, hängt von ihrer Definition und Erhebung ab. Im Beispiel muss die Lösungsbestätigung nachvollziehbar bleiben.
Fazit: Gute MBA-Analyse fragt nach dem Mechanismus
Goodharts Gesetz im MBA ist eine Einladung, den Weg von der Zielvorgabe zum beobachteten Ergebnis zu untersuchen. Trenne die Kennzahl vom eigentlichen Ziel und die Vermutung vom Beleg. Deinen Bildungsweg, die Zulassung und mögliche Anrechnung kannst Du in der persönlichen Beratung von GrandEdu Media gesondert einordnen.