Du kennst die Begriffe eines Kursabschnitts, kannst ihren Zusammenhang aber noch nicht erklären? Genau hier setzt eine Concept Map an. Statt weitere Stichwörter zu sammeln, schreibst Du auf, wie zwei Begriffe miteinander verbunden sind. Aus „Anforderung“ und „Lösung“ wird beispielsweise die prüfbare Aussage: Eine Anforderung begrenzt die Auswahl einer Lösung.
Wenn Du eine Concept Map erstellen möchtest, brauchst Du keine Zeichenroutine und kein großes digitales Whiteboard. Entscheidend sind eine konkrete Lernfrage und präzise Verbindungen. Dieser Beitrag zeigt Dir das an einer eigenen, fiktiven Übung zur Angebotsklärung. Im Mittelpunkt steht nicht ein schöner Lernzettel, sondern die Frage, ob Deine Aussagen fachlich tragen.
Eine Concept Map besteht aus Aussagen, nicht nur aus Kästen
Joseph D. Novak und Alberto J. Cañas beschreiben Concept Maps als Darstellung von Wissen durch Begriffe und beschriftete Verbindungen. Zwei Begriffe und die passende Verbindungsformulierung ergeben eine sinnvolle Aussage, auch „Proposition“ genannt. Eine Fokusfrage begrenzt das Thema; Querverbindungen verknüpfen unterschiedliche Bereiche. Diese Grundlagen erläutert der Originalbeitrag des Institute for Human and Machine Cognition.
Eine Mindmap kann Dir helfen, Stichwörter um ein Zentrum zu sammeln. Für die hier beschriebene Aufgabe genügt die räumliche Nähe jedoch nicht: Der Pfeil muss sagen, ob etwas eine Voraussetzung ist, etwas enthält oder etwas verändert. Auch ein Ablaufdiagramm beantwortet eine andere Frage. Es ordnet Schritte; die Concept Map erklärt Beziehungen zwischen Begriffen, die nicht alle in einer einzigen Reihenfolge liegen.
Der Einstieg: Eine Frage statt eines ganzen Kapitels
Wähle für den ersten Versuch einen überschaubaren Abschnitt Deiner Online-Weiterbildung. „Projektarbeit“ wäre zu weit. Für unsere Übung lautet die Frage: Wie hängen Kundenanforderung, angebotene Lösung und interne Freigabe zusammen? Als Kontext gilt ausschließlich das folgende Lernmodell, nicht eine allgemeine Vertrags- oder Rechtsregel.
Das fiktive Team erstellt Angebote erst nach einer Anforderungsklärung. Die angebotene Lösung wird intern geprüft. Wird eine wesentliche Anforderung geändert, muss das Team prüfen, ob Lösung und Freigabe noch passen. Eine Anfrage allein gilt in diesem Team nicht als Freigabe.
Schreibe zunächst sieben Begriffe auf einzelne Karten: Anfrage, Rückfrage, Anforderung, Lösung, Angebot, Freigabe und Änderung. Ordne sie unter dem Oberbegriff „Angebotsklärung“ in drei Bereiche: Anliegen verstehen, Lösung beschreiben und intern entscheiden. Die Karten dürfen später wandern. Die IHMC-Anleitung zum ersten Concept-Mapping-Versuch empfiehlt einen begrenzten Kontext, kurze Begriffsbezeichnungen und eine überarbeitbare erste Fassung. Die kleine Kartenauswahl hier ist unser Übungsvorschlag, keine vorgeschriebene Anzahl.
Das Übungsnetz: Sechs Beziehungen mit klarer Richtung
Verbinde die Karten zunächst mit den folgenden Aussagen. Die Tabelle ist eine lesbare Textfassung des Netzes: links Ausgangsbegriff und Verbindung, rechts Zielbegriff. Im gezeichneten Netz gehört die Verbindungsformulierung auf den jeweiligen Pfeil.
| Ausgang und Beziehung | Ziel |
|---|---|
| Anfrage wird präzisiert durch | Rückfrage |
| Rückfrage klärt | Anforderung |
| Anforderung begrenzt die Auswahl der | Lösung |
| Lösung wird beschrieben im | Angebot |
| Freigabe bezieht sich auf das geprüfte | Angebot |
| Änderung einer Anforderung erfordert gegebenenfalls eine erneute Prüfung der | Freigabe |
Die letzte Verbindung ist besonders aufschlussreich: Sie führt vom Bereich der Anforderungsklärung zurück zur Entscheidung. Das Netz ist deshalb mehr als eine Kette von Arbeitsschritten. Du kannst daran erklären, warum ein schon geprüftes Angebot nach einer Änderung nicht automatisch unverändert weiterverwendet werden sollte.
Setze unter „Änderung“ ein kleines Beispiel außerhalb der Begriffskarten: „Kunde benötigt statt einer eintägigen nun eine zweitägige Leistung.“ Prüfe daran die Verbindung zur Freigabe. Muss der Leistungsumfang neu bewertet werden? Genau diese Rückfrage macht die abstrakte Beziehung für das fiktive Team greifbar.
Ein schwacher Pfeil ist ein konkreter Lernauftrag
Die Formulierung „Anforderung hängt zusammen mit Lösung“ bleibt unpräzise. Sie zeigt nicht, welche Rolle die Anforderung spielt. „Anforderung verursacht Lösung“ wäre wiederum zu stark: Aus einem Bedarf folgt nicht schon eine bestimmte passende Umsetzung. „Begrenzt die Auswahl der“ ist in unserem Modell präziser.
Ebenso lohnt sich der Vergleich zwischen „Änderung erfordert neue Freigabe“ und „Änderung kann eine erneute Prüfung der Freigabe auslösen“. Der zweite Satz lässt Raum dafür, dass erst die Bedeutung der Änderung bewertet wird. Eine pauschale Regel darfst Du nicht hineinzeichnen, wenn sie in Deinem Lernmaterial nicht steht. Alberto Cañas erläutert die Bedeutung solcher Verbindungsformulierungen im IHMC-Beitrag über Linking Words.
Notiere einen unsicheren Pfeil mit Fragezeichen und einer Fundstelle im Skript. Kläre genau diesen Zusammenhang in der nächsten Lerneinheit oder im fachlichen Austausch. Lösche die Unsicherheit nicht durch eine elegant klingende Formulierung. Wenn die Quelle nur eine Bedingung nennt, darf Dein Netz daraus keine sichere Ursache machen.
Die Karte prüfen, ohne ihre Optik zu bewerten
Was sagt jede einzelne Verbindung?
Lies jede Zeile als Satz. „Freigabe bezieht sich auf das geprüfte Angebot“ beantwortet etwas anderes als „Angebot erzeugt Freigabe“. Prüfe Richtung, Verb und Einschränkungen anhand der Unterlagen. Ein vollständiger Satz kann trotzdem sachlich falsch sein.
Welche Frage bleibt unbeantwortet?
Im Beispiel könnte fehlen, wer die Anforderungen dokumentiert. Das ist zunächst eine offene Frage, kein Anlass, jede denkbare Rolle hinzuzufügen. Ergänze sie nur, wenn Du sie für die Fokusfrage brauchst. Ein dichtes Netz mit zwanzig zusätzlichen Karten kann die ursprüngliche Frage verdecken.
Wo unterscheiden sich zwei Erklärungen?
Bitte eine Lernpartnerin, einen strittigen Pfeil anders zu formulieren. Vergleicht nicht die Farben, sondern die Bedeutung. Das Center for Teaching Innovation der Cornell University beschreibt Concept Mapping als Aktivität, bei der Lernende zunächst selbst nachdenken, anschließend diskutieren und ihre Karten überarbeiten. Für Deine Lerngruppe lässt sich daraus ein gezielter Vergleich einzelner Aussagen ableiten; eine Leistungssteigerung ist dadurch nicht garantiert.
FAQ zur Concept Map in der Online-Weiterbildung
Brauche ich eine spezielle Software?
Nein. Papier und verschiebbare Karten genügen für den Einstieg. Ein digitales Werkzeug ist praktisch, wenn Du Begriffe häufig umordnest. Wähle es nach Bedienbarkeit und verfügbarer Lernzeit, nicht nach der Zahl seiner Gestaltungseffekte.
Ist eine Karte ohne Querverbindung falsch?
Nicht automatisch. Prüfe zunächst, ob sie die konkrete Frage richtig beantwortet. Suche dann gezielt nach einer Beziehung zwischen Teilbereichen. Ergänze keine Verbindung nur deshalb, damit die Karte komplexer aussieht.
Kann ich damit Prüfungserfolg nachweisen?
Eine selbst erstellte Karte zeigt Deinen aktuellen Erklärungsversuch. Sie ist weder eine Prüfungsleistung noch ein verlässlicher Nachweis aller Kompetenzen. Ob Du Wissen anwenden kannst, solltest Du zusätzlich an passenden Aufgaben und fachlichem Feedback prüfen.
Fazit: Begriffe verbinden heißt Bedeutung festlegen
Eine nützliche Concept Map macht sichtbar, was Du mit einer Verbindung tatsächlich behauptest. Beginne mit einer engen Frage, arbeite an den Verbindungswörtern und nutze Unsicherheiten für konkrete Rückfragen. Unser Angebotsbeispiel ist ein Startpunkt; ersetze es anschließend durch ein klar begrenztes Thema aus Deinem eigenen Kurs.
Wenn Du eine passende Online-Weiterbildung suchst, findest Du im Kursportfolio von GrandEdu Media die aktuell angebotenen Lehrgänge. Fragen zu Lernziel und Rahmenbedingungen kannst Du über die Kontaktseite klären. Die Lernmethode ergänzt Deine Kursarbeit, ersetzt aber weder die fachlichen Unterlagen noch individuelle Beratung.