Ein Foto ist fertig ausgewählt, die Seite beinahe bereit. Im Feld „Alternativtext“ steht noch der Dateiname oder eine hastige Beschreibung. Dabei entscheidet sich hier, welche Information Menschen erhalten, die das Bild nicht sehen können. Wer Alt-Text schreiben möchte, braucht deshalb mehr als einen Blick auf das Motiv: Entscheidend ist seine Aufgabe auf genau dieser Seite.
Für Redaktion, Content-Marketing und Suchmaschinenoptimierung ist das eine kleine, aber wichtige Entscheidung. Dieser Ratgeber zeigt sie an einem eigenen, fiktiven Beispiel. Du lernst, wann eine Beschreibung sinnvoll ist, wann ein leerer Alt-Text passt und wann die Funktion eines Links im Vordergrund steht. Die Beispiele sind Lernfälle, keine Prüfung oder Zusicherung vollständiger Barrierefreiheit.
Alt-Text und Bildunterschrift erfüllen verschiedene Aufgaben
Bei einem HTML-Bild wird der Alternativtext im Attribut alt hinterlegt. Assistenztechnik kann damit Informationen vermitteln, die sonst nur visuell zugänglich wären. Die sichtbare Bildunterschrift richtet sich dagegen an alle Leserinnen und Leser. Sie kann etwa Kontext ergänzen oder eine Quellenangabe enthalten. Eine Bildunterschrift macht den passenden Alternativtext daher nicht automatisch überflüssig.
Die W3C/WAI-Erläuterung zu informativen Bildern stellt die vermittelte Bedeutung in den Mittelpunkt. Eine vollständige Aufzählung sämtlicher sichtbarer Gegenstände ist meistens nicht das Ziel. Auch eine technisch vorhandene Beschreibung kann inhaltlich an der Aufgabe des Bildes vorbeigehen.
Ein Motiv, drei redaktionelle Entscheidungen
Stell Dir ein Foto vor: Eine Person steckt den Klinkenstecker eines kabelgebundenen Headsets in die Audiobuchse eines Laptops. Die Handlung und beide Anschlüsse sind erkennbar. Dieselbe Datei soll nun an drei Stellen eingesetzt werden. Prüfe jeweils, was ohne das Bild fehlen würde. Der WAI-Entscheidungsbaum für das alt-Attribut hilft, zwischen Bedeutung, Funktion und rein dekorativer Verwendung zu unterscheiden.
In einer Anleitung: Die relevante Handlung beschreiben
Die erste Seite erklärt einen Technikcheck vor einem Online-Termin. Ihr Begleittext lautet nur: „Verbinde das Headset.“ Das Foto zeigt ergänzend, welche Verbindung gemeint ist. Ein passender Entwurf wäre: „Klinkenstecker des Headsets in die Audiobuchse des Laptops stecken.“
Hier zählt die Verbindung, nicht die Farbe des Pullovers oder die Tasse im Hintergrund. „Person am Computer“ würde die zusätzliche Information gerade auslassen. Unser Entwurf gilt aber nur für das beschriebene Foto. Zeigt das echte Bild einen USB-Anschluss, muss der Text entsprechend anders lauten. Alt-Text entsteht aus dem sichtbaren Inhalt und dem Seitenzweck, nicht aus einer beliebigen Standardvorlage.
Als atmosphärische Illustration: Nicht unnötig wiederholen
Die zweite Seite beschreibt dieselbe Verbindung bereits vollständig im sichtbaren Text. Das Foto dient nur noch dazu, die Seite aufzulockern; es fügt keine weitere Information hinzu. Für diese angenommene Verwendung kommt alt="" infrage.
Das ist eine bewusste Entscheidung und nicht dasselbe wie ein fehlendes Attribut. WAI erläutert bei dekorativen Bildern, dass ein leerer Wert unnötige Ansagen vermeiden kann. Ohne alt-Attribut können manche Screenreader stattdessen einen Dateinamen ausgeben. Halte im Redaktionsauftrag fest, warum Du das Foto hier als dekorativ einordnest. „Es ist ein schönes Bild“ allein reicht als Begründung nicht aus.
Als alleiniger Link: Das Ziel verständlich machen
Die dritte Verwendung ist eine verlinkte Bildkachel ohne weiteren Linktext. Ein Klick führt zur Seite mit dem Technikcheck. Jetzt wäre „Headset und Laptop“ keine ausreichende Orientierung. Der Entwurf „Technikcheck für den Online-Unterricht öffnen“ beschreibt das Ziel der Handlung.
Bei funktionalen Bildern empfiehlt WAI, die ausgelöste Aktion beziehungsweise das Linkziel zu vermitteln. Prüfe deshalb den gesamten Link, nicht nur das Foto. Steht innerhalb desselben Links bereits ein eindeutiger Text wie „Technikcheck öffnen“, kann das zusätzliche Bild dekorativ sein. Eine Bildunterschrift außerhalb des Links ist dagegen nicht automatisch dessen zugänglicher Name.
Ein Diagramm braucht mehr als eine knappe Bildbeschreibung
Bei einer Statistikgrafik reicht „Balkendiagramm“ nicht aus, wenn die Seite von deren Zahlen, Verlauf oder Beziehungen abhängt. Die WAI-Empfehlungen für komplexe Bilder verbinden eine kurze Identifikation mit einer ausführlicheren Textalternative. Diese kann als nachvollziehbare Beschreibung oder geeignete Datendarstellung im Seiteninhalt stehen.
Für ein eigenes Diagramm würde die Redaktion deshalb zwei Aufgaben vergeben: einen kurzen Alt-Text und einen zugänglichen Abschnitt mit den wesentlichen Informationen. Dessen Inhalt richtet sich nach dem Zweck der Grafik. Eine reine Aussage wie „Die Werte steigen“ ersetzt nicht die erforderlichen Werte, Zeiträume und Vergleiche, wenn diese für die Argumentation wichtig sind.
Warum eine Keyword-Liste kein guter Alt-Text ist
„Onlinekurs Weiterbildung Laptop Karriere günstig lernen“ beschreibt weder die Verbindung im Foto noch die Funktion der Bildkachel. Eine solche Wortliste löst die Nutzeraufgabe nicht. Google Search Central zu Bildern empfiehlt nützliche, informative Alt-Texte im passenden Seitenkontext und warnt ausdrücklich vor dem Überladen mit Keywords.
Verwende einen Fachbegriff, wenn er die Bildaussage präzisiert. Ergänze ihn nicht allein deshalb, weil er in der Keyword-Recherche auftaucht. Alt-Text ist ein Teil der Bild- und Inhaltsqualität, kein Versprechen für Rankings, Klicks oder eine bestimmte Darstellung in Suchergebnissen.
Der Redaktionsauftrag sollte den Kontext mitliefern
Statt einer isolierten Spalte „Bildbeschreibung“ kannst Du einen kleinen Auftrag mit fünf Angaben anlegen: Einsatzstelle, Bildzweck, vorhandener Begleittext, mögliche Linkfunktion und Alt-Text-Entwurf. Das ist eine praktische Arbeitsvorlage, kein verbindliches Normformular.
Für unseren Anleitungsfall könnte darin stehen: „Technikcheck, Abschnitt Headset; Anschluss erläutern; bisher nur allgemeine Anweisung; kein Link; genaue Verbindung beschreiben.“ Damit kann eine zweite Person prüfen, ob das Motiv und der Text zusammenpassen. Ändert sich später die Seite, muss auch diese Entscheidung erneut geprüft werden.
Kontrolliere nach dem Einpflegen die tatsächliche Ausgabe: Ist der vorgesehene Wert dem richtigen Bild zugeordnet? Bleibt eine als dekorativ eingestufte Abbildung wirklich ohne eigene Information oder Funktion? Ist das Linkziel ohne Foto verständlich? Ein automatischer Hinweis auf „Alt-Text vorhanden“ beantwortet diese inhaltlichen Fragen noch nicht.
FAQ: Alt-Text schreiben und prüfen
Soll ich mit „Bild von“ beginnen?
Das ist normalerweise keine hilfreiche Information über den Inhalt. Benenne unmittelbar die relevante Aussage oder Handlung. Ist die Darstellungsart selbst wichtig, etwa ein Foto im Gegensatz zu einer Zeichnung, kann sie dazugehören.
Ist ein leerer Alt-Text immer ein Fehler?
Nein. Er kann bei rein dekorativen oder vollständig redundanten Bildern richtig sein. Entscheidend ist die konkrete Verwendung, nicht der Dateityp oder die Bildgröße.
Darf eine KI den Entwurf liefern?
Du kannst einen Vorschlag als Entwurf nutzen. Die Redaktion muss dennoch das tatsächliche Motiv, den Begleittext und die Funktion prüfen. Ein plausibel klingender Text darf keine nicht sichtbaren Personen, Handlungen oder Ergebnisse erfinden.
Fazit: Erst die Bildaufgabe, dann die Formulierung
Guter Alt-Text beginnt mit der Frage, was das Bild an seiner Einsatzstelle leistet. Unser Headset-Foto braucht in der Anleitung eine konkrete Handlung, als redundante Illustration einen leeren Wert und als alleiniger Link ein verständliches Ziel. Die Datei bleibt gleich; die redaktionelle Entscheidung verändert sich.
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